„Meine Kumpels an der Uni haben zwei Wochen Herbstferien, bei mir steht im CFA-Plan die ganze Woche ‚Betrieb'. Habe ich überhaupt Anspruch auf Urlaub?" Zu jedem Ausbildungsstart kommt diese Frage auf – und die Antwort passt in einen Satz: Sie haben Urlaub, aber es sind keine Schulferien mehr.
Kurz gesagt: Ein dual Studierender bzw. Auszubildender ist ein vollwertiger Arbeitnehmer. Er erwirbt 2,5 Werktage bezahlten Urlaub pro gearbeitetem Monat, also 30 Werktage (5 Wochen) pro Jahr, genau wie seine Kolleginnen und Kollegen (Artikel L. 3141-3 des französischen Arbeitsgesetzbuchs). Die Schulferien des CFA sind kein Urlaub: In den Wochen ohne Unterricht wird der Auszubildende im Betrieb erwartet, sofern er keine Urlaubstage nimmt. Hinzu kommen zwei spezifische Rechte: der zusätzliche Prüfungsvorbereitungsurlaub von 5 Werktagen, bezahlt, zu nehmen im Monat vor den Prüfungen (Artikel L. 6222-35), und für unter 21-Jährige die Möglichkeit, bis zu 30 Werktage Urlaub zu erhalten – wobei die nicht erworbenen Tage schlicht unbezahlt bleiben (Artikel L. 3141-8). Der Arbeitgeber kann ein Datum ablehnen, niemals aber den Anspruch auf Urlaub.

Hat man in der dualen Ausbildung Anspruch auf Schulferien?
Nein, und das ist der erste Schock zum Ausbildungsbeginn. Mit der Unterzeichnung eines Ausbildungsvertrags (contrat d'apprentissage) oder eines Qualifizierungsvertrags (contrat de professionnalisation) werden Sie Arbeitnehmer des Unternehmens. Ihr maßgeblicher Kalender ist nicht mehr der der Schulbehörde, sondern der Ihres Arbeitgebers.
Konkret bedeutet das:
- Während der Unterrichtswochen sind Sie im CFA oder in der Bildungseinrichtung;
- während der sogenannten „Betriebswochen" arbeiten Sie, auch wenn gerade Herbst-, Weihnachts- oder Winterferien sind;
- während der Schließzeiten des CFA (insbesondere in den Sommerferien) sind Sie im Betrieb, sofern Sie keinen Urlaub genommen haben oder das Unternehmen geschlossen ist.
Das französische Arbeitsministerium und das Portal service-public.fr stellen es schwarz auf weiß fest: „Der Auszubildende erhält bezahlten Urlaub unter denselben Bedingungen wie die übrigen Beschäftigten des Unternehmens." Es gibt keinerlei Regelung, die einen Anspruch auf Schulferien begründet.
Genau dieser Punkt erklärt auch das größte Missverständnis im September: Viele junge Leute rechnen ihr Jahr mit 36 „Anwesenheitswochen", obwohl sie für volle 12 Monate unterschreiben, bezahlten Urlaub inbegriffen.
„Die Zeit, die der Auszubildende der in den Ausbildungszentren (CFA) erteilten Ausbildung widmet, ist in der Arbeitszeit enthalten." — Artikel L. 6222-24 des französischen Arbeitsgesetzbuchs
Mit anderen Worten: Ihre CFA-Wochen zählen als tatsächliche Arbeitszeit – sie erzeugen Urlaubsansprüche, sie verbrauchen sie nicht.
Wie viele Urlaubstage erwirbt ein Auszubildender 2026?
Es gilt die allgemeine Regel: 2,5 Werktage pro Monat tatsächlicher Arbeit, begrenzt auf 30 Werktage pro Jahr, also 5 Wochen.
Achtung bei der Begrifflichkeit – eine ständige Fehlerquelle:
| Begriff | Definition | Eine volle Woche = |
|---|---|---|
| Werktage (jours ouvrables) | Montag bis Samstag (alle außer Sonntag und Feiertage) | 6 Tage |
| Arbeitstage (jours ouvrés) | Tatsächlich im Unternehmen gearbeitete Tage (meist Montag–Freitag) | 5 Tage |
Ein Unternehmen, das in Arbeitstagen rechnet, weist Ihnen 25 Arbeitstage zu: Es ist derselbe Anspruch, nur anders ausgedrückt. Schreien Sie also nicht gleich „Betrug", wenn auf Ihrer Lohnabrechnung 2,08 Tage pro Monat stehen – das ist die Umrechnung in Arbeitstage (25 / 12).
Der Bezugszeitraum, dieses Detail mit großer Wirkung
Historisch läuft der Bezugszeitraum vom 1. Juni bis zum 31. Mai. Immer mehr Unternehmen richten ihn per Tarif- oder Betriebsvereinbarung am Kalenderjahr aus (1. Januar – 31. Dezember). Prüfen Sie die genaue Angabe auf Ihrer Lohnabrechnung oder in Ihrem Tarifvertrag.
Bei einem Vertrag, der im September 2026 beginnt, und einem Bezugszeitraum von Juni bis Mai haben Sie zum 31. Mai 2027 rund 22,5 Werktage erworben (9 Monate × 2,5). Daraus ergibt sich eine häufige Realität: Im ersten Jahr hat man seine 5 Wochen noch nicht zusammen.
Seit den Änderungen durch das Gesetz vom 22. April 2024 zur Umsetzung des europäischen Rechts erzeugen auch Zeiten der Arbeitsunfähigkeit (einschließlich nicht berufsbedingter Krankheit) Urlaubsansprüche – gut zu wissen, wenn Sie im Laufe des Jahres krankgeschrieben waren.
Der Sonderfall der unter 21-Jährigen
Artikel L. 3141-8 des Arbeitsgesetzbuchs sieht ein wenig bekanntes Recht vor: Ein Arbeitnehmer, der am 30. April des Vorjahres unter 21 Jahre alt war, kann beantragen, 30 Werktage Urlaub zu erhalten, auch wenn er nicht so viele Tage erworben hat. Der entscheidende Unterschied: Die zusätzlichen Tage sind unbezahlt.
Für einen 19-jährigen Auszubildenden, der im September eingestellt wurde, bedeutet das zum Beispiel, dass er im August zwei Wochen wegfahren kann, ohne „genug" Tage auf dem Konto zu haben – im Gegenzug für ein geringeres Gehalt in dem betreffenden Monat. Das sollte man einplanen, wenn das Budget knapp ist: Besser vorher etwas zur Seite legen. Viele Auszubildende führen deshalb eine einfache Monatsbudgetrechnung in einem Haushaltsbuch für monatliche Ausgaben, um vom gekürzten Gehaltsmonat nicht überrascht zu werden.
Der Prüfungsvorbereitungsurlaub: 5 oft vergessene Tage
Das ist das am meisten übersehene – und wertvollste – Recht. Artikel L. 6222-35 des Arbeitsgesetzbuchs sieht vor, dass der Auszubildende zur unmittelbaren Vorbereitung auf die Prüfungen einen zusätzlichen Urlaub von 5 Werktagen erhält.
Seine Merkmale:
- Er kommt zu den 30 Tagen bezahlten Urlaubs hinzu und schmälert sie nicht;
- er wird normal vergütet;
- er wird im Monat vor den Prüfungen genommen;
- während dieser 5 Tage hat der Auszubildende das Recht, die vom CFA angebotenen Vorbereitungskurse zu besuchen;
- der Arbeitgeber kann ihn nicht ablehnen, sofern der Antrag mit dem Prüfungskalender stimmig ist.
Dieser Urlaub betrifft den Ausbildungsvertrag (contrat d'apprentissage). Beim Qualifizierungsvertrag (contrat de professionnalisation) gibt es keine entsprechende gesetzliche Regelung: Die Vorbereitungszeit wird mit dem Arbeitgeber ausgehandelt oder stützt sich auf einen Branchentarifvertrag. Prüfen Sie Ihren Tarifvertrag, bevor Sie davon ausgehen, dass Ihnen dieses Recht zusteht.

In der Praxis nützen diese fünf Tage wenig, wenn sie willkürlich gelegt werden. Wer sie am besten nutzt, arbeitet mit im Voraus geplanten Lernblöcken und einem einzigen zusammenfassenden Medium – ein Block Karteikarten A5 bleibt unschlagbar, um einen kompletten Lehrplan in handhabbare Einheiten zu verdichten. Identifizieren Sie außerdem Ihre Prüfungen mit hoher Gewichtung: Dorthin sollten diese Tage vorrangig fließen.
Wenn Sie ein BTS, einen Bachelor oder einen Berufsabschluss vorbereiten, gleichen Sie diesen Urlaub mit dem offiziellen Prüfungskalender Ihrer Académie ab und ziehen Sie ergänzend heran, was wir in unserem Artikel zu den BTS-Ergebnissen 2026 ausführen.
Wie beantragt man als dual Ausgebildeter seinen Urlaub?
Hier entstehen die Spannungen, denn drei Kalender überlagern sich: der des Unternehmens, der des CFA und Ihr eigener.
Regel Nr. 1: Urlaub gibt es nur in „Betriebswochen"
Sie können in einer Unterrichtswoche keinen bezahlten Urlaub nehmen. Da die Ausbildungszeit tatsächliche Arbeitszeit ist, gilt ein Fernbleiben vom CFA mit der Begründung „Ich habe Urlaub" als unentschuldigtes Fehlen, das dem Arbeitgeber und dem OPCO gemeldet werden kann – mit dem Risiko eines Lohnabzugs.
Regel Nr. 2: Der Arbeitgeber legt die Termine fest, nicht den Grundsatz
Der Arbeitgeber kann ein Datum aus betrieblichen Gründen ablehnen (Überlastung, Urlaub eines Kollegen, Hochsaison). Er kann Ihnen nicht verwehren, Ihren Urlaub zu nehmen. Das Gesetz schreibt zudem vor, dass mindestens 12 zusammenhängende Werktage zwischen dem 1. Mai und dem 31. Oktober gewährt werden müssen (Hauptcurlaub), sofern nichts anderes vereinbart ist.
Regel Nr. 3: Betriebsferien frühzeitig einplanen
Viele KMU schließen zwei oder drei Wochen im August. In diesem Fall ist der Urlaub vorgegeben: Wenn Sie nicht genügend Tage erworben haben, kann der nicht abgedeckte Zeitraum unbezahlt bleiben (außer bei Rückgriff auf Artikel L. 3141-8 für unter 21-Jährige). Fragen Sie schon im ersten Monat nach: Das ist eine zentrale Budgetinformation für das Jahr.
Die Checkliste für den richtigen Urlaubsantrag
- Den endgültigen Ausbildungskalender des CFA besorgen (Unterrichtstermine, Prüfungstermine).
- Die „beantragbaren" Betriebswochen identifizieren.
- Schriftlich beantragen (E-Mail oder HR-Tool), mit angemessener Frist – oft 1 Monat.
- Die schriftliche Antwort des Arbeitgebers aufbewahren.
- Den Resturlaub auf der Lohnabrechnung des Folgemonats prüfen.
Ein ganz einfacher, aber überaus wirksamer Trick: den doppelten Kalender CFA/Betrieb handschriftlich in einen Wochenkalender 2026 2027 übertragen, mit zwei Farben. Terminkonflikte sieht man auf einen Blick, und der Urlaubsantrag wird drei Monate im Voraus statt drei Tage vorher vorbereitet.

Urlaub, Feiertage und Abwesenheiten: Was zählt und was nicht
| Situation | Status | Auswirkung auf den bezahlten Urlaub |
|---|---|---|
| Unterrichtswoche im CFA | Tatsächliche Arbeitszeit | Erzeugt Urlaubsansprüche |
| Im Betrieb arbeitsfreier Feiertag | Nicht gearbeitet, bezahlt | Verbraucht keinen Urlaub |
| Prüfungsvorbereitungsurlaub (5 Tage) | Bezahlter Sonderurlaub | Kommt zu den 30 Tagen hinzu |
| Krankschreibung | Ruhen des Vertrags | Erzeugt Urlaubsansprüche seit dem Gesetz vom 22. April 2024 |
| Unentschuldigtes Fehlen im CFA | Pflichtverletzung | Lohnabzug möglich |
| Betriebsferien | Vorgegebener Urlaub | Verbraucht erworbene Tage |
Zwei nützliche Präzisierungen:
- Für Feiertage gilt die Regelung des Unternehmens, nicht die der Schule. Wenn Ihr Unternehmen am Pfingstmontag arbeitet, arbeiten Sie.
- Bei Vertragsauflösung oder Vertragsende wird für erworbenen, nicht genommenen Urlaub eine Urlaubsabgeltung gezahlt, zusammen mit der Endabrechnung. Gehen Sie nie, ohne diese Position zu prüfen: Das ist ein Recht, keine Kulanz. Das gesamte Verfahren erläutern wir in unserem Leitfaden zur Auflösung des Ausbildungsvertrags.
Was tun, wenn der Arbeitgeber Ihren Urlaub systematisch ablehnt?
Eine punktuelle und begründete Ablehnung ist rechtmäßig. Die systematische Ablehnung dagegen nicht: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dem Arbeitnehmer zu ermöglichen, seinen Urlaub zu nehmen. Die Rechtsprechung der Cour de cassation ist in diesem Punkt eindeutig.
Das Vorgehen in Stufen:
- Ihren Antrag schriftlich neu formulieren und zwei alternative Zeiträume vorschlagen. Das Schriftliche ändert alles: Es schafft einen Nachweis.
- Ihre Ansprechperson im CFA oder Ihre pädagogische Leitung informieren. Das CFA ist der natürliche Vermittler in dieser Beziehung und kennt das Unternehmen.
- Ein Dreiergespräch (Auszubildender, Ausbilder, CFA) beantragen, um den Jahreskalender festzulegen.
- Den Ausbildungsmediator (médiateur de l'apprentissage) der zuständigen Kammer einschalten (CCI, Handwerkskammer, Landwirtschaftskammer) – ein kostenloses Verfahren nach Artikel L. 6222-39.
- Als letztes Mittel die Arbeitsaufsicht (DREETS) einschalten.
Eine belastbare Akte stützt sich auf datierte Nachweise: gesendete Anträge, erhaltene Antworten, aufeinanderfolgende Dienstpläne. Ein Aktenordner mit Hebelmechanik oder einfach eine eigene Mappe genügt, um Verträge, Vertragsänderungen, Lohnabrechnungen und Schriftwechsel aufzubewahren – das rettet Sie auch beim Prüfen Ihrer Endabrechnung.
Wie viel ist ein Urlaubstag auf Ihrer Lohnabrechnung wert?
Es existieren zwei Berechnungsmethoden nebeneinander, und der Arbeitgeber muss die günstigere anwenden:
- die Regel der Lohnfortzahlung: Sie erhalten das, was Sie beim Arbeiten verdient hätten;
- die Zehntel-Regel: Das Urlaubsentgelt entspricht 1/10 des im Bezugszeitraum bezogenen Bruttoentgelts.
Für Auszubildende, deren Gehalt im Laufe des Jahres steigt (Geburtstag oder Übergang ins 2. Ausbildungsjahr, wodurch sich der anwendbare SMIC-Prozentsatz ändert), kann die Zehntel-Regel vorteilhafter sein. Prüfen Sie es auf Ihrer Abrechnung und testen Sie Ihre theoretische Vergütung mit dem Vergütungsrechner der Website.
Ein Gesamtüberblick über Ihre Rechte als Arbeitnehmer und Studierender spart im Übrigen enorm viel Zeit: Ein Praxisleitfaden zum Arbeitsrecht in aktueller Auflage bleibt für dual Ausgebildete die rentabelste Anschaffung des Jahres – besonders beim Verhandeln von Vertrag, Urlaub und Vertragsende.
Das Wichtigste in Kürze
- 5 Wochen bezahlter Urlaub, erworben mit 2,5 Werktagen pro Monat – wie bei jedem Arbeitnehmer.
- Schulferien gibt es nicht mehr: Die Wochen ohne Unterricht verbringt man im Betrieb.
- 5 zusätzliche Werktage Prüfungsvorbereitungsurlaub für Auszubildende, bezahlt, im Monat vor den Prüfungen.
- Unter 21-Jährige können bis zu 30 Werktage erhalten, wobei die nicht erworbenen Tage unbezahlt bleiben.
- Der Arbeitgeber bestimmt die Termine, niemals den Anspruch auf Urlaub – und systematische Ablehnung lässt sich anfechten.
Bevor Sie Ihren nächsten Vertrag unterschreiben, fragen Sie schon im Vorstellungsgespräch nach dem Kalender der Betriebsferien: Das ist ein hervorragender Indikator dafür, wie das Unternehmen mit seinen Auszubildenden umgeht. Und wenn Sie noch auf der Suche sind, helfen Ihnen unsere Ausbildungsangebote und das Dossier Finanzielle Hilfen dabei, die beiden wirklich entscheidenden Themen zu klären: Zeit und Geld.